Vom Parkplatz hinter der Kirche in Vinaders führt eine geteerte Straße hinauf zur Sattelbergalm (Mountainbike-Route 530). Nach einer Rechtskurve passieren wir eine Schranke und folgen der gut ausgeschilderten Route anschließend auf Schotter weiter bergauf. Der Blick hinunter in Richtung Autobahn lässt schon bald darauf erahnen, dass wir auf dieser Tour viel vom Panorama des Alpenhauptkamms begleitet werden dürften. Spätestens nach rund drei Kilometern, wenn links der Forststraße die bewirtete Sattelbergalm (1639m) inmitten der freien Almfläche erscheint und im Hintergrund die Gipfel der Zillertaler Alpen zu sehen sind, ist jeder Zweifel darüber erloschen.
Wir folgen dem Weg rechts weiter und halten uns wenig später, an einer beschilderten Weggabelung, ebenfalls rechts. Kurz darauf sehen wir rechts ein Schild "Mountainbike Schiebestrecke". Hiervon sollte man sich tunlichst nicht täuschen lassen! Es ist ein Relikt aus einer Zeit, als der Besitzer der Sattelalm (im weiteren Verlauf der Tour) Mountainbikern die Durchfahrt durch sein Almgebiet untersagte. Würde man der Beschilderung hier folgen, müsste man mit mehr als dreihundert Metern Trage- und Schiebestrecke entlang des Jubiläumssteigs rechnen.
Stattdessen fahren wir weiter geradeaus und gelangen so über die grüne Grenze auf italienisches Hoheitsgebiet. An der darauffolgenden Weggabelung biegen wir erneut rechts ab und folgen der Beschilderung entsprechend in Richtung Sattelberg (Nr. 1). Auf diesem Weg passieren wir bald die besagte Sattelalm (1747m) und kurbeln bei ordentlich Steigung in den Bergwald hinein, durch das Biotop Sattelmöser und schließlich auf teils schlechtem Untergrund mit kurzzeitig über 22% Steigung auf über zweitausend Meter Höhe hinauf.
Oben angekommen ist man, wenn der steile Anstieg gepackt ist und man sich plötzlich vor den Relikten vergangener Zeit wiederfindet. Die alte Versorgungsstraße aus den Kriegswirren des zwanzigsten Jahrhunderts, auf welcher wir uns nun befinden, ist verziert mit militärischen Ruinen, teilweise versperrt, teilweise zugänglich aber bereits von Außen ein eindrucksvoller Anblick. Hier, etwas unterhalb des Gipfels des Sattelbergs (2115m) ist der Ausblick auf die umliegende Bergwelt entlang des Grenzverlaufs zwischen Österreich und Italien bereits einmalig - und er sollte es auch noch einige Zeit bleiben!
Nach der steilen Auffahrt geht es zunächst etwas bergab bzw. ohne nennenswerte Steigung in südlicher Richtung quer zur Hangneigung. Nach circa fünf aussichtsreichen Kilometern rollen wir auf die Wechselalm (2035m) zu. Diese ist zwar nicht bewirtet, jedoch erwartet einen dort im Wassertrog eine Auswahl gekühlter Getränke. Kleingeld und Ehrlichkeit erforderlich! Eine kurze Rast ist hier sicherlich nicht die schlechteste Idee, zumal die Alm sonnenverwöhnt in einem Kessel liegt und die Hausbank zum Verweilen einlädt.
Wir folgen dem Weg rechts am Zaun der Alm entlang um schließlich hinter dieser in einem weiten Bogen nach links weiter zu fahren. Achtung: Es zweigt nahe der Hütte ein zweiter Weg nach rechts ab, dieser führt lediglich hinauf zu höher gelegenen Militärstellungen. Sicherlich ein lohnenswerter Abstecher, jedoch nicht Teil der hier beschriebenen Tour. Es geht also hinter der Wechselalm weiter, die Steigung nimmt wieder zu und der Weg Nr. 1 führt uns entlang des Grenzverlaufs zügig voran.
Das Flachjoch (2124m), rechts des Weges zu erkennen, bildet einen Übergang hinunter ins Fradertal und es gilt zu erwähnen, dass man hier die Route massiv verkürzen könnte. Über das Fradertal kommt man direkt in den Ort Obernberg am Brenner, von wo aus man zurück zum Ausgangspunkt rollen kann. Sinnvoll etwa bei einem unerwarteten Wetterumschwung. Sollte man einfach im Hinterkopf behalten. Anstatt hier abzubrechen, bleiben wir weiter auf der breiten, gut ausgebauten Militärstraße und genießen das Panorama. Immerhin sind es, von der Wechselalm aus gerechnet, noch fünf genussvolle Kilometer bis wir zur Abzweigung nahe dem Sandjöchl (2165m) gelangen. Hier trennt sich der Weg und bietet insgesamt vier Optionen zur Weiterfahrt. Über das Sandjöchl schiebend hinunter zum Obernberger See, über die breite Militärstraße oder den 1er Trail hinunter nach Giggelberg und Gossensass oder über den Pflerscher Höhenweg am Hang entlang weiter nach Westen in Richtung Portjoch.
Letztere Variante schlagen wir ein. Der Zustand des Weges verschlechtert sich zunehmend und aus einem anfänglich breiten Weg wird bald schon ein schmaler Singletrail welcher entlang der steilen Hänge des Bergrückens ins Pflerschtal führt. Und auch, wenn der Trail meist relativ flach verläuft und sich nur wenig verblockt präsentiert, so ist es vor allem das abschüssige Gelände und die tiefen Blicke, die das nötige Maß Respekt und Vorsicht erfordern. Das Gebot ist wie so oft: Lieber schieben und die Aussicht genießen, also abstürzen! Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf dieser Passage definitiv erforderlich.
Das Portjoch haben wir nach weiteren rund fünf Kilometern erreicht. Der Ausblick auf die umliegende Bergkulisse ist einmalig! Eine letzte erkundete Gefechtsstellung und einen weiteren Grenzübertritt später lassen wir den Grenzkamm hinter uns und bewegen uns talwärts. Etwa eineinhalb Kilometer und zweihundert Höhenmeter weiter unten können wir den ruppigen und verblockten Wiesensteig, den wir fahrend aber auch schiebend überwinden mussten, verlassen und kommen auf einen breit ausgebauten Abschnitt des Tiroler Höhenwegs, welchem wir vorbei an der bewirtete Steiner Alm (1737m) und durch den Kaserwald hinunter zum Obernberger See folgen. Vorbei an diesem Naturjuwel und der idyllisch gelegenen Kapelle Unserer Lieben Frau am See geht es schließlich noch einmal zügig bergab bis zum Wanderparkplatz. Von dort rollen wir entlang der geteerten Hauptstraße talauswärts bis zu Almi's Berghotel (1375m) in der Gemeinde Obernberg. Frisch gestärkt sind es dann nur mehr vier Kilometer frei von Anstrengung bis zurück nach Vinaders, dem Ausgangspunkt dieser unglaublich abwechslungsreichen Mountainbike-Tour.