Vom Ortskern nahe dem Lüsener Feuerwehr Gerätehaus folgen wir der Hauptverkehrsstraße zunächst für knapp zweihundert Meter abwärts, bis wir in einer Rechtskurve an die beschilderte Abzweigung Kaserbachweg (vicolo Kaserbach) gelangen. Dort biegen wir links ein und rollen hinunter, überqueren über eine Brücke den Lasakenbach und befinden uns alsbald zwischen einer kleinen Ansammlung alteingesessener Gebäude. Der anfänglich noch geteerte, jedoch bereits erkennbar schmaler werdende Weg führt uns durch das bebaute Gebiet hindurch weiter südwärts.
Schon kurz darauf beginnt der Weg anzusteigen und spätestens als wir die grünen Wiesen hinter uns gelassen haben und in den schattigen Wald eintauchen, gibt es gefühlt kein Erbarmen mehr. Parallel zum Kaserbach geht es fortan knapp zwei Kilometer mit durchschnittlich dreiundzwanzig Prozent Steigung mehr als steil bergauf. Und auch wenn der Kiesuntergrund in einem relativ ordentlichen Zustand ist, so wundert es hier keinen wenn man sein Mountainbike schiebt. Wer mit einem E-Mountainbike unterwegs ist, hat definitiv Glück!
Als knapp vierhundert Höhenmeter entlang der steilen, zwischenzeitig nicht enden zu wollenden, Rampe hinter uns liegen und wir dabei den Kohlplatz und eine Wasserfassung passiert haben, gelangen wir endlich an eine Brücke und damit zugleich an das erste wirklich erwähnenswert flache Stück seit wir das Wohngebiet im Tal verlassen haben. Zeit, sich ausgiebig zu erholen ehe es weitergeht. Und während der Weg geradeaus weiter in Richtung Plose Telegraph (2486m) verläuft, folgen wir der Beschilderung über die Brücke hinweg auf Weg Nr. 3A in Richtung Nivenol.
Ein letzter, etwas mehr als einen halben Kilometer langer, steiler Anstieg führt uns schließlich um eine Linkskehre herum, dann wird es flacher. Bei nur mehr etwa vierzehn Prozent Steigung verläuft der Wirtschaftsweg verhältnismäßig moderat hinauf in das kleine, freie Almgebiet rund um die nicht bewirtete Nivenol Alm (1584m), an der wir unmittelbar vorbeikommen. Circa eineinhalb Kilometer kurbeln wir anschließend durch den dichten Bergwald hinauf bis zum höchsten Punkt der Tour. Diesen markiert die dort gelegene Jagdhütte Nivenol (1798m), die gerne von Feriengästen gemietet wird. Befindet sich dort niemand, ist in deren Umgebung der Zeitpunkt gekommen um ein wenig zu verschnaufen.
Die Strapazen liegen hinter uns, von jetzt an geht es bergab. Nach etwa achthundert Metern passieren wir die Abzweigung hinüber zur Almhütte Ackerboden (1762m) und zur Ochsenalm (2085m). Wir bleiben auf dem breiten Fahrweg, der uns talwärts führt und rollen nicht ganz sechs Kilometer weit genüsslich hinab. Während der Talfahrt erhaschen wir immer wieder vereinzelte Ausblicke hinüber auf die Rodenecker- und Lüsner Alm sowie die sich dahinter befindenden Gipfel des Alpenhauptkamms. Bei all den Serpentinen dürfen wir unsere Abzweigung nicht verpassen und so achten wir gut darauf, an einer beschilderten Weggabelung scharf rechts in Richtung Lüsen abzufahren.
Ein etwas verwilderter Weg bringt uns die letzten Meter hinunter und zurück in die Zivilisation. Unterhalb des Fernheizwerks der Gemeinde Lüsen gelangen wir schließlich wieder auf die Hauptstraße, welcher wir nur mehr einige hundert Meter hinauf zum Ortskern folgen müssen um die strapaziöse Mountainbike-Tour hinter uns zu bringen. Die kleine Terrasse des Hotel Rosentals schreit uns förmlich aus der Ferne entgegen - die Einkehr zu Kaffee und Apfelstrudel sei ja nun auch zweifelsohne verdient.