Unsere Rundtour beginnen wir im Ortskern von Sankt Kassian im Gadertal. Zunächst folgen wir der Strada Micurà de Rü in nordwestlicher Richtung aus dem Ort heraus und fahren am Kreisverkehr in die Landesstraße 37 ein, welcher wir gut anderthalb Kilometer bis zur Einmündung in die Strada Biei folgen. Weg von der viel befahrenen Hauptstraße führt uns die schmale Teerstraße, die sich bald schon Strada Clanins nennt, fortan oberhalb des Ortes Stern (La Villa) in Richtung Norden. Über die Località Sortu kurbeln wir in sanftem Auf und Ab und vorbei am Geburtshaus des Heiligen Josef Freinademetz mit prächtigem Ausblick auf die Gipfel des Naturparkes Puez-Geisler dahin.
Kurz hinter der Ütia L'Tamá (1533m), wenn sich der Weg teilt, biegen wir links in Richtung Rainé ab und finden uns nur wenig später auf einem Feldweg wieder. Als wir nach circa einem halben Kilometer an eine Weggabelung im Wald erreichen, halten wir uns rechts und folgen dem kurzzeitig recht steilen Schotterweg parallel zum Bachlauf bergan. Ein Fahrradschild sowie ein offizieller Wegweiser zeigen uns kurz darauf die Weiterfahrt nach links an und so folgen wir dem Weg Roda de Armentara hinauf in den Weiler Cialaruns und weiter nach Valgiarëi.
Wir biegen rechts ab und folgen dem unscheinbaren Forstweg in den Wald hinein. Wir queren steile Wiesenhänge, fahren an Felswänden vorbei und durch den duftenden Bergwald hindurch, ehe wir nach etwa drei Kilometern wieder auf der Teerstraße bei Furnacia landen. Erneut orientieren wir uns nach rechts und folgen der Strada Armentara noch gut anderthalb Kilometer bergauf, bis wir schließlich an einen großen Wanderparkplatz gelangen. Von nun an geht es auf Schotter weiter. Je nach Saison und Wetter ist außerdem mit entsprechend vielen Ausflüglern zu rechnen. Wer sich wundert warum der Weg so frequentiert ist, der muss nur noch einen weiteren Kilometer bei moderater Steigung hinter sich bringen.
Schon bald erreichen wir die Wiesen von Armentara, ein ausgedehntes Almgebiet am Fuße der massiven Heiligkreuzkofel-Gruppe am westlichen Rand des Naturparks Fanes-Sennes-Prags. Gerade im Spätfrühling und Frühsommer glänzt dieses Naturjuwel durch ihre Blumenvielfalt, die von Enzian über Schwefelanemonen bis hin zu Trollblumen reicht. Die, inmitten der weiten Wiesen liegenden, urigen Hütten lassen nur erahnen welch beschwerliches, arbeitsreiches und hartes Leben die Bergbewohner früher gehabt haben mussten und dennoch... diese Landschaft, das imposante Panorama auf die unbeschreiblich eindrucksvollen Felsflanken, diese Stille. Ein Sehnsuchtsort durch und durch! Kein Wunder also, dass man hier oben nicht allein ist.
Zunächst relativ flach, folgt schon bald ein kurzer aber kerniger Anstieg und mit ihm auch die letzten, wirklich erwähnenswerten Höhenmeter ehe wir nach rund sechzehn Kilometern seit Beginn der Tour in Sankt Kassian schließlich das Etappenziel erreichen - Ütia La Crusc, das Schutzhaus Heiligkreuz (2045m). Eine der ältesten Berghütten der Region, am Fuße des Kreuzkofels gelegen (2907m) und im Jahr 1718 als Wohnung für den Messner sowie Unterkunft für Pilger erbaut, ist das Schutzhaus eines der beliebtesten Einkehrziele der Region und steht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wallfahrtskirche von Heilig Kreuz die bereits im Jahre 1484 geweiht wurde.
Der verdienten Einkehr schließt sich nun je nach Gusto die Rückfahrt über bekannte Wege oder aber die Weiterfahrt über den sogenannten Kreuzweg an, welcher unter Mountainbikern auch als Trail No. 15 bekannt ist. Wir folgen dem Wegweiser mit der Nummer 15 in Richtung St. Kassian und finden uns schon bald auf einem schmalen Trail wieder, der uns durch die mit Latschen und Kiefern bewachsenen Hänge in Richtung Süden führt. Steine und Wurzeln sorgen für die gelungene Abwechslung auf dem nicht allzu schwierigen Trail der Kategorie S1 gemäß Singletrail Skala. Gar nicht so einfach, sich nicht vom Ausblick auf die Dolomiten ablenken zu lassen. Aber mit diesem Panorama macht die Trailabfahrt nunmal einfach doppelt so viel Spaß!
Rund vier Kilometer führt der Trail, welcher im weiteren Verlauf ein Forstweg wird, hinab bis in den Weiler Rüdeferia. Dort biegen wir an der historischen Mühle links in den Lärchenweg ein und gewinnen so ein paar zusätzliche Meter auf Schotter anstatt unmittelbar über die Teerstraße ins Tal abfahren zu müssen. Doch auch dieser geht nur wenige Minuten später zu Ende und so folgen wir der Strada Sopiá bergab bis zurück in den Ortskern von St. Kassian. Spätestens jetzt haben wir uns eine Einkehr verdient und die Erinnerungen an diese schöne Mountainbike-Tour in Alta Badia im Gepäck.