Vom Parkplatz am Ranuihof fahren wir südostwärts zum Waldrand nahe der Pizzeria Waldschenke (1385m). Wir tauchen in den kühlen Wald ein und halten geradeaus bis zu einer beschilderten Weggabelung, etwa dreihundert Meter weiter.
Entlang des Weges 33 geht es parallel zum Villnösser Bach bis nach Zans (Zannes), während Weg 28 nach rechts hinauf zu Geisler Alm (1996m) und Gschnagenhardt Alm (2006m) führen würde. Mit stets leichtem Anstieg geht es recht zügig voran durch den schattigen, nach Zirben duftenden Bergwald welcher uns zunächst nur selten den Blick auf die Villnösser Geisler im Norden gestattet, deren sonnenverwöhnte Flanken unregelmäßig von Fels und Geröll durchzogen sind.
Gegen Ende des etwa zwei Kilometern langen Teilstücks nimmt die Steigung in einer spitzen Linkskehre deutlich zu. Allerdings ist die nur rund zweihundert Meter lange Rampe ebenso schnell überwunden wie sie auch aufgetaucht ist. Der Weg mündet schließlich in eine breite Forststraße und siehe da - über den Baumwipfeln tauchen plötzlich die markanten Felsspitzen der Geislergruppe auf. Einmalig! Wir beachten die Wegweiser und fahren weiter in Richtung Gampen Alm (2062m), ital. Malga Gampen, und gelangen nach etwa einem Kilometer an einen großen Parkplatz. Dort halten wir uns rechts, passieren die bewirtete Zanser Alm (1680m) und folgen der Forststraße 35A gemäß Beschilderung weiter bergauf.
Weitere zwei Kilometer kurbeln wir auf dem schattigen Fahrweg entlang, bis sich der Wald plötzlich wieder lichtet und wir den Sankt Zenon Bach (Tschantschenonbach) über eine kleine Brücke nach links überqueren. Majestätisch ragt der Gipfel des Campiller Turm (2599m) im Hintergrund aus dem Boden. Nur wenige Minuten später haben wir die zweitausend Meter Marke geknackt und können endgültig die Bäume des Waldes hinter uns lassen. Zwischen Gampenwiese und den Hängen des Juval (2454m) können wir bereits aus einiger Entfernung die Gampenalm (2062m) sowie hoch oben nahe dem Kreuzkofeljoch (2340m) die Dächer der Schlüterhütte (2306m), ital. Rifugio Genova, erkennen.
Die bewirtete Gampenalm (2062m) ist ein beliebtes Ausflugsziel im Naturparks Puez-Geisler und der ideale Platz, um sich von der Auffahrt zu erholen oder sich zu stärken, ehe man die steile letzte Etappe hinauf zur Schlüterhütte (2306m) in Angriff nimmt. Wir fahren unmittelbar weiter und merken schon wenige Meter später, dass der Untergrund grober wird und die Steigung deutlich zunimmt. Teilweise ist mit bis zu fünfundzwanzig Prozent zu rechnen. Weil der Weg im weiteren Verlauf allerdings wieder besser und auch ein klein wenig flacher wird, sind die letzten eineinhalb Kilometer hinauf zur Hütte im Notfall selbst schiebend bald überwunden.
Je höher wir kommen, desto mehr sind wir begeistert vom Ausblick, der uns nun wirklich für alle Anstrengungen zu entlohnen scheint. Einfach traumhaft! Nachdem wir die zweite Weidezauneinrichtung durchfahren haben, macht der Weg nach der letzten steilen Rampe einen Knick nach links und führt anschließend in einem breiten Bogen rechts herum. In greifbarer Nähe taucht schließlich das Ziel der Tour auf - die bewirtete Schlüterhütte (2306m) etwas unterhalb des Kreuzkofeljochs (2340m) und am Fuße des Zendleser Kofels (2422m) gelegen.
Hier genießt man Natur satt, wenngleich man auch nicht allein ist. Viele Wanderer besuchen die Schlüterhütte etwa während der Umrundung des benachbarten Peitlerkofels (2875m). Aber auch Mountainbiker sind hier oben keine Seltenheit. Manche passieren das Kreuzkofeljoch während einer mehrtägigen Alpenüberquerung. Wir genießen den Ausblick, die Höhenluft und das traumhafte Wetter bevor wir über die von der Auffahrt bekannte Strecke zurück ins Tal rollen.