Erlebnisbericht Transalp: Lago di Caldonazzo - Trento - Brenner - Innsbruck - Jenbach - Gaißach (Tag 7)

Erlebnisbericht Transalp: Lago di Caldonazzo - Trento - Brenner - Innsbruck - Jenbach - Gaißach (Tag 7)

Mehrere hundert Kilometer und tausende von Höhenmetern ist Alex Stiegler bereits gefahren um vom oberbayerischen Gaißach über Tirol zum größten See Italiens - den Gardasee - und schließlich bis zum Lago di Caldonazzo zu gelangen. Und das etwa nicht mit dem Auto, dem Zug oder dem Reisebus - nein! Ganz im Alleingang und aus eigener Kraft ! Sein stets treuer Begleiter - sein Mountainbike - auf dessen Sattel er täglich viele Stunden zugebracht hat, ließ ihn dabei nicht im Stich und er erreichte ohne Pannen oder Unfälle sein Ziel!

Endlich angekommen! Endlich entspannen! Endlich die Füße hochlegen und sich regenerieren. Nach einer erfolgreichen Mountainbike Alpenüberquerung hat man sich das auch wirklich verdient - da kommt es natürlich sehr gelegen wenn das Wetter am Lago di Caldonazzo mitspielt.

Spätestens jetzt sollte sich jeder Biker Gedanken darüber machen wie er wieder zurück in die Heimat kommt. Der Mountainbike-Tourismus hat in den letzten Jahren viele MTB Shuttles etabliert, die vom Gardasee zurück nach Deutschland fahren. Eine durchaus praktische Sache, wenn man nicht unbedingt mit dem Bike im Zug zurückfahren möchte.

Für welche Variante sich Alex entschied und wie er die eigentlich unspektakuläre Rückreise zu einem weiteren Abenteuer werden ließ - wir präsentieren nachfolgend den letzten Bericht seiner siebentägigen Alpencross Challenge und möchten uns ein weiteres Mal recht herzlich für das zugesandte Tour-Tagebuch bedanken! Wir gratulieren für das erfolgreiche Abenteuer und haben sehr gefreut über die spannende und amüsante Berichterstattung zu diesem MTB Fernreise-Erlebnis! Vielen Dank!

Tag 7, Lago di Caldonazzo - Trento - Brenner - Innsbruck - Jenbach - Gaißach

Ich begann den Tag mit einem herrlichen Frühstück mit Vannillecroissant, Kuchen, Obstsalat, reichlich Wurst und Käse usw. und war mit mir im Reinen, dass es die beste Entscheidung der ganzen Tour war, noch an diesen See hoch zu fahren. Ich lieh mir ein Kajak aus und paddelte zwei Stunden lang über den See, machte Fotos und genoss den Ausblick. Noch eineinhalb Stunden Baden, am Strand liegen und eine letzte Pizza und dann gings um ca. 16:00 Uhr los Richtung Trento. Dieser Weg gestaltete sich erstmal als äußerst schwierig, vor allem was die Orientierung betraf. Wenig bis gar keine Wegweiser und immer wieder Bergan-Passagen... ich wollte doch heute nicht mehr bergauf radeln! Im Dorf Civezzano stieß ich dann auf einen Wegweiser der "Via Claudia-Augusta" Richtung Trento, aber dann an der nächsten Kreuzung... wohin? Ich beschloss wieder mal, die Straße zu nehmen... es ging bergab und ich kam... ZUR AUTOBAHN!!! Warum zum Teufel stand das oben nicht am Wegweiser?! Also wieder hoch radeln... fluchend und mich über die Italiener echauffierend, die anscheinend zu blöd sind, vernünftige Wegweiser aufzustellen!

Ein junger Tankwart beruhigte mich und erklärte mir auf englisch den Weg nach Trento, wo ich schließlich um kurz vor 18:00 Uhr am Bahnhof ankam. Eigentlich wollte ich noch eine Nacht in Trento verbringen, aber aufgrund des Stresses mit den Wegweisern usw. wollte ich nur noch weg aus Italien (Liebe Italiener, ihr solltet mal drüber nachdenken). Ich löste für 19,30€ (inkl. Fahrradmitnahme) mein Ticket Richtung Brenner, machte noch schnell ein paar Aufnahmen von der Altstadt und bestieg schließlich um 18:54 Uhr den Zug wo ich ein Ehepaar aus Beuerberg und einen jungen MTB-ler aus Dachau getroffen habe. Die sehr unterhaltsame Fahrt endete um kurz vor 21:00 Uhr am Brenner, wo ich mich wieder aufs Rad schwang und die alte Brennerstraße 29km nach Innsbruck hinunter rauschte. Die Serpentinen bei Nacht machten richtig Laune, obwohl ich länger brauchte als ursprünglich geplant war. In Innsbruck am Bahnhof, wo ich gegen 22:21 Uhr ankam, sah ich dass ich genau 7 Minuten Zeit hätte, um den Zug nach Jenbach zu erwischen. Ich rannte also zum nächsten Fahrkartenautomaten, klickte mich durchs Menü... Fahrradmitnahme nicht vergessen und... 2€??? Ist in Österreich Zugfahren so billig? Anscheinend schon, ich hatte keine Zeit lange zu überlegen, bezahlte, zog mein Ticket und hastete Richtung Bahnsteig. Unterwegs traf ich nochmal das Ehepaar aus Beuerberg, die mit dem Zug vom Brenner runtergefahren waren.

Ich bestieg den Zug Richtung Jenbach, der erstmal mit achtzehnminütiger Verspätung abfuhr. Nach zwei Stationen begann ich dann zu überlegen. Zwei Euro? Für 30km Zugfahrt plus Fahrrad?? Hmmm... plötzlich schauderte mir. Ich hatte ja in Trento auch zwei Tickets bekommen, eins für mich, eins fürs Radl. Scheiße! Ich hatte nur fürs Fahrrad bezahlt... ich selbst war in diesem Moment Schwarzfahrer... was ist da schief gelaufen am Automaten??? Egal... so war nun mal die Situation. Ich begann zu beten und... irgendwie ist mein Gebet erhört worden, denn es kam kein Schaffner und ich entstieg dem Zug um 23:45 Uhr in Jenbach. So, wieder aufs Radl. Ich suche die Straße nach Maurach hoch. Am Kreisverkehr ein Wegweiser Richtung Achensee, dem ich folge. Ich komme in Wiesing heraus und verfluche ein weiteres Mal die Beschilderung... wieder ein Umweg! Wurscht... fahren wir halt die Kanzelkehre. Ich werde müde, schraube mich Meter um Meter die Straße hoch... Dunkelheit, ab und zu ein Auto. Wär ich doch bloß noch die eine Nacht in Trento geblieben... die Motivation sinkt, meine Getränke gehen zur Neige, es ist wieder kühler geworden. Wieder ein Haufen Höhenmeter am Ende des Tages. Ich erreiche nach nicht ganz einer Stunde die Kanzelkehre... ein leichter Motivationsschub, der aber bald wieder verfliegt, denn die Straße am Achensee entlang will einfach nicht enden. Ich fülle an einem Bach neben der Straße meine Flaschen auf. Kurz vor der Grenze... Nebel! Auch das noch... Ich passiere die Grenze um ca. 01:36 Uhr und biege Richtung Sylvenstein ein. Dunkelheit... so ein Wahnsinn jetzt noch heim zu fahren... der Tunnel in den Radweg am Sylvenstein ist gesperrt und vergittert. Immer noch Baustelle und wieder Umweg. Werden die hier eigentlich irgendwann mal fertig?! Über den Damm die Straße runter. Irgendwann bin ich auf dem Radweg. Ich passiere Fleck. Hier bin ich vor einer Woche Richtung Röhrlmoosalm abgebogen. Der Kreis schließt sich! Lenggries... ich hab Hunger. Hat das Hirschbachstüberl noch auf? Eine Rennsemmel wär super. Hirschi hat natürlich zu am Donnerstag um 02:25 Uhr. Durch den Bacher Wald... Obergries... Untergries... Die Hirschkussfabrik... alles noch wie vor der Tour. Um 02:53 Uhr schließlich stelle ich mein Radl im Schuppen ab... WAHNSINN. Ich bin tatsächlich noch heim gefahren! Eine wahnsinns Tour geht zuende. Ohne größere Probleme. Ohne Sturz. Immer eine Bleibe gefunden. Nichtmal die Bremsbeläge musste ich wechseln... und die Rückreise war auch extrem kostengünstig, denn das Geld für den Zug von Innsbruck nach Jenbach hab ich mir ja auch gespart.

Alexander Stiegler, Gaissach
Dir gefällt dieser Blogbeitrag? Teile ihn mit deinen Freunden!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar zu diesem Blog-Beitrag

Deine E-Mail Adresse wird selbstverständlich nicht veröffentlicht. Alle mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder und müssen ordnungsgemäß angegeben werden.
Jetzt mtbsepp.de T-Shirt kaufen