Erlebnisbericht Transalp: Molveno - Riva del Garda - Lago di Caldonazzo (Tag 6)

Erlebnisbericht Transalp: Molveno - Riva del Garda - Lago di Caldonazzo (Tag 6)

Vierhundertachtundachzig Kilometer zeigt der Tacho - sechs Tages-Etappen und tausende Höhenmeter nach Beginn der Transalp im heimischen Gaißach hat Alex Stiegler sein Ziel erreicht - Riva del Garda und der Gardasee liegen ihm und seinem treuen Mountainbike zu Füßen. Eine beachtliche Leistung, insbesondere wenn man bedenkt, dass er während der gesamten Tour ohne Begleitung und somit völlig auf sich allein gestellt war. Wer könnte ihm diesen Erfolg nun nicht gönnen? Nach Regen, Nebel und Kälte, Problemen mit der Digitalkamera, vereinzelten Schwierigkeiten den richtigen Weg zu finden und so manch anderen Herausforderungen stieg er Tag um Tag erneut auf sein Bike und bahnte sich seinen Weg von Bayern über die Alpen bis zur "Mountainbiker-Metropole" Riva del Garda am Nordende des größten Sees Italiens, dem Lago di Garda.

Alex hat nun also seine Alpenüberquerung erfolgreich hinter sich gebracht und man sollte meinen nach einem ausgiebigen Bad im See würde er dieses Erlebnis und den großen persönlichen Erfolg ausgiebig genießen und/oder "begießen"?! Doch scheinbar hat ihn der Ehrgeiz gepackt... anders zumindest lässt sich kaum erklären, warum er sich bald nach der Ankunft in Riva plötzlich wieder in den Sattel gesetzt und die Mountainbike Fernreise schnell mal um eine Extra-Etappe erweitert hat! Ganz richtig, dass er in seinem Tour-Tagebuch von einer "Kür" spricht, denn damit holt er sich auch noch die letzten Fleißpunkte und zieht wohl sämtliche Register! Und das hat er definitiv geschafft - wir staunten nicht schlecht, als wir in Vorbereitung auf diesen Bericht von seiner Bonus-Route erfuhren.

Aber lest selbst - wie es Alex auf Etappe 6 seiner Transalp erging und warum wir hier von einer "Kür" sprechen, schildert er nachfolgend ausführlich im nächsten Teil seines Tour-Tagebuchs - viel Spaß beim Lesen!

Tag 6, Molveno - Riva del Garda - Lago di Caldonazzo

Ich öffne die Fensterläden und... Nebel und Nieselregen. Egal, nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Ich frühstücke beim "COOP" Supermarkt an der Mauer und trinke noch schnell einen Cappuccino in der nächsten Pizzeria, denn im Supermarkt gabs keinen im Becher. Ich fahre auf dem ziemlich "boanigen" Seeweg und komme gar nicht richtig in Fahrt, wahrscheinlich deshalb weil ich am Abend zuvor noch ewig durchs Dorf gelaufen bin auf der Suche nach Nachtleben.

Auf dem Weg nach Riva immer wieder kleine Dörfer und steile Bergan-Passagen aber ab dem Ballinopass geht es die letzten 12 km nur noch bergab. Meine Laune bessert sich, genau wie das Wetter als ich in der Ferne im Tal zum ersten mal den Gardasee sehe. Vor Freude mache ich fast alle 200 m ein Foto und schließlich, um 12:45 Uhr und mit 488km auf dem Tacho, klatsche ich am Pfosten des Ortsschildes von Riva del Garda ab. Pflicht erfüllt... jetzt kommt die Kür. Nach einem kurzen Bad im See und einem Foto mit Rad, welches ein deutscher Tourist von mir gemacht hat und einem Cappu an der Strandbar mache ich mich sofort auf den Weg Richtung Rovereto, wo ich eigentlich den Zug Richtung Brenner besteigen wollte.

Rückmarsch??

Auf der Fahrt, die mit einer steilen 2km Geraden auf der Straße beginnt, hellt sich mein Gemüt mehr und mehr auf und spätestens auf dem "Etsch-Radweg" beschließe ich, doch noch zum Lago di Caldonazzo hochzufahren wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte. Ich kann jedem Alpenüberquerer nur empfehlen, in Rovereto noch nicht in den Zug zu steigen, sondern diesen Weg bis Trento noch "mitzunehmen", wo der Zug ja auch hält. Ein traumhafter Radweg an der Etsch entlang, teilweise kilometerweit schnurgeradeaus und bretteben ohne Anstiege. Ein echtes Erlebnis!!!

Im Dorf Mattarello, ca.4km vor Trento angekommen, mache ich mich auf die Suche nach der Abzweigung Richtung Vigolo Vattaro und dem Caldonazzosee, die ich dann auch finde und die Richtung einschlage. Ein kerniger Anstieg gleich zu Beginn lässt mich wanken... doch weiter nach Trento? Dann... ein Mountainbiker... ein zweiter... wenn die da hoch fahren, dann fahr ich auch hoch. Egal, dann mach ich halt schon wieder 500 Höhenmeter am Ende eines langen Tages im Sattel... wär ja nicht das erste mal auf dieser Tour! Ich fülle meine Flaschen an einem Brunnen auf und fahre zunächst den kernigen Anstieg am Ortsausgang hoch. Kurz darauf wird die Straße flacher und ich schraube mich langsam die 8km Über Vigolo Vattaro bis nach Bosentino hoch, von wo aus es die letzten 2 km bis nach Calceranica nur noch bergab geht. Ich spüre sofort die angenehme Atmosphäre des Caldonazzosees, der ein bisschen dem Tegernsee ähnelt wie ich finde. Ich checke um ca. 19:00 Uhr im "Albergo Bellavista" ein und bekomme ein hammermäßig schönes Zimmer mit Balkon und Seeblick für 35€ plus Frühstück. Da störten mich auch die paar Käferchen nicht, die dann beim wegziehen der Decke über das Kopfkissen huschten. Ich feierte meine Alpenüberquerung mit einer sehr guten Pizza und einer Flasche Wein, brachte einer norddeutschen Mutter und ihrem Kind das Schuhplatteln bei und genoss den Ausblick über den See mit den vielen Lichtern... nicht wissend, welch ein Husarenritt mich am nächsten Tag erwarten sollte.

Alexander Stiegler, Gaissach
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