Erlebnisbericht Dolomiten-Cross "die große Acht": Abenteuer (Tag 4)

Erlebnisbericht Dolomiten-Cross "die große Acht": Abenteuer (Tag 4)

Abenteuer - das ist eine mehrtägige Tour mit dem Mountainbike allemal! Man macht sich auf den Weg in die Ungewissheit einer zumeist unbekannten Route durch noch viel unbekanntere Regionen und findet sich ehe man sich versieht, den Naturgewalten ausgesetzt, auf seinem Sattel wieder. Gute Vorbereitung ist hier das Wesentliche für eine erfolgreiche MTB-Tour. Idealerweise ist der Rucksack voll bepackt mit Wechselkleidung, Regenjacke, Mütze und Handschuhen falls es kalt werden sollte, dem nötigen Zubehör für kleinere Reparaturen und natürlich der Proviant für die Tages-Etappe.

Addiert man dann noch Mobiltelefon, GPS-Gerät, Kartenmaterial und ein Taschenmesser dann scheint das Abenteuer nur noch halb so "gefährlich" zu sein. Richtig, die Betonung liegt hierbei auf dem Wort "scheint"! Denn kämpft man sich wie unser Gastautor Alex Stiegler den ganzen langen Tag auf anspruchsvollen Trails, unwegsamen Pfaden und dichtem Nebel durch die Einsamkeit der Alpen kann unter anderem durchaus auch die Frage entstehen ob womöglich Braunbären in der Nähe lauern...

Was Alex an Tag 4 seiner neuntägigen Tour entlang der "großen Acht" durch die Dolomiten erlebt hat und was das mit Braunbären zu tun hat möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten - viel Spaß beim lesen!

Ich habe super geschlafen und breche um ca. 9:00 Uhr auf. Erstmal in den Computerladen, Fotos auf den Stick rüberziehen und noch kurz ins Radgeschäft, ein paar Feineinstellungen an Dämpfer und Sattel vornehmen. In Ortisei (St. Ulrich in Gröden) besuche ich das Museum und schaue mir u.a. die Luis Trenker Ausstellung an, bin aber ein wenig enttäuscht, da diese sehr dürftig ausfällt. Nur zwei Zimmer und alles auch unzureichend erklärt, bzw. beschildert.

Nach einer Pizza an der Seceda-Seilbahn ist es bereits 14:30 Uhr als ich mich auf den Weg mache. Die Strecke in Richtung Mittelstation ist wieder mal sehr steil, aber fahrbar weil geteert. Ich fahre natürlich zu weit und bemerke dies anhand der Seilbahn über mir. Diese hat ab der Mittelstation nämlich nur noch zwei, aber dafür große Gondeln. Überhaupt finde ich, dass Seilbahnen ein sehr gutes Mittel zur Orientierung sind, wie ich auf dieser Tour festgestellt habe.

Also wieder mal 100 HM umsonst geradelt. Zurück an der Mittelstation nehme ich erst die Forststraße, dann einen nicht enden wollenden Waldtrail bis zur Bergstation der "Raschötz" Standseilbahn. Dieser Trail ist bestimmt göttlich zum runterfahren, aber bergauf heißt es wieder mal schieben.

Von der Raschötz fahre ich einen traumhaften Almweg, immer an einem flachen Hang entlang zur Brogleshütte. Schade dass es an diesem Tag so nebelverhangen ist, sodssß man das traumhafte Panorama dort nicht sehen kann. Ich tanke Wasser nach und mache mich weiter auf den Weg Richtung Schlüterhütte, meinem Tagesziel welche mit dreieinhalb Stunden Fußmarsch angegeben ist. Jetzt heißt es Gas geben, denn es war bereits 18:00 Uhr.

Der Weg dahin war wild, steinig, stufig... ein Wandersteig halt. Nebel legte sich den ganzen Tag schon um die Gipfel. Alles läuft bestens bis ich an ein Geröllfeld gelange. Dort befindet sich zwar ein Wegweiser, der den "Adolf-Munkel-Weg Nr.35" markiert, aber kein erkennbarer Weg mehr. Ah... das hier sieht aus wie ein Weg, denke ich mir und folge ihm quer über das Geröllfeld. Nach diesem führt der Weg wieder in den Wald und verengt sich zu einem Pfad, der immer mehr mit Gras und umgestürzten Bäumen und Ästen bedeckt ist. Keine Fuß- geschweige denn Fahrradspuren... Wo bin ich hier? Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, denn die Dämmerung setzt bereits ein. Schnell zurück! Ich hatte mich verlaufen. Ich haste zurück zum vorletzten Wegweiser um sicher zu gehen, dass ich generell richtig unterwegs zur Schlüterhütte war. Aber alles ok. Ich ziehe kurz in Erwägung, nach St. Magdalena abzufahren und dort zu übernachten, aber meine Neugier trieb mich zurück ans Geröllfeld. 50 Meter weiter oben mache ich eine rot-weiße Markierung aus... WEITER! Der Weg wird zur Treppe. Ich schultere das Rad und trage es hoch. Gibt’s hier eigentlich Braunbären? Ständig habe ich dieses ungute Gefühl im Hinterkopf denn es ist hier außer mir keine Menschenseele mehr unterwegs. Das Trailvergnügen (der Weg war über weite Strecken immer wieder fahrbar) rückt komplett in den Hintergrund, denn ich fahre auf Zeit gegen die einsetzende Dämmerung. Plötzlich auf einem Stein ein schwarzer Fleck... Bärenscheiße??

Ich heize wie ein Irrer den Weg entlang, rutsche mehrmals mit dem Vorderrad fast auf nassen Wurzeln aus und verstauche mir auch noch den linken Fuß. Einsamkeit, Wildnis, Nebel, einsetzende Dämmerung... und laut Wegweiser noch 1 Stunde 40 Min. bis zur Schlüterhütte.

Plötzlich eine Forststraße! Der Wegweiser sagt zwar immer noch 1:40 Std. aber ich fühle mich wesentlich sicherer. Ich höre das vertraute Bimmeln von Kuhglocken und mein Gemüt hellt sich auf. Ich kurble entspannt hinauf und schiebe das letzte Stück, tauche in den Nebel ein. Kurz vor 20:00 Uhr tauchen schließlich, wie eine Fata Morgana, die Lichter der Schlüterhütte im Nebel auf. Ich hatte den Trail von der Brogleshütte, inklusive einmal verlaufen in 1 Stunde 45 Min. gemacht und... meine zweite Trinkflasche, die ich außen am Rucksack hängen hatte, dabei verloren. Ein verschmerzbarer Verlust, denn die Schlüterhütte war eine Alpenvereinshütte. Der Abend klingt in geselliger Runde gemütlich aus. Die Hütte ist jedoch brechend voll, sodass ich nur noch ein Notlager bekomme, welches aus einer Matratze auf dem Boden und zwei Pferdedecken besteht. Egal... ich bin zufrieden, denn ich habe diesen Tag am Ende doch noch gut gemeistert.

Alexander Stiegler, Gaissach
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