Erlebnisbericht Dolomiten-Cross "die große Acht": Treiben lassen (Tag 5)

Erlebnisbericht Dolomiten-Cross "die große Acht": Treiben lassen (Tag 5)

Leuchtende Felswände, sonnenverwöhnte Berghänge und ein strahlend blauer Himmel. So stellt sich wohl jeder Mountainbiker seinen Traumtag vor. Und wie so oft im Leben gilt auch beim Wetter die Devise: "willst du was gelten, mach dich selten!". Ganz besonders wenn man sich auf einer mehrtägigen Mountainbike-Reise durch die Dolomiten befindet und vier lange Tage mit der Tristheit von in Nebel eingehüllten und wolkenverhangenen Berggipfeln zu kämpfen hat.

Wer verspürt da kein Mitgefühl... und genau deshalb hat es uns umso mehr gefreut die Bilder von Tag 5 seiner neuntägigen Tour entlang der "großen Acht" durch die Dolomiten zu sichten. Ideale Voraussetzungen also um sich treiben zu lassen, die Etappe zu genießen und einen wunderbaren Tag auf dem Bike zu verbringen. Wie es Alex gegangen ist und was er erlebt hat, schildert er uns freundlicherweise in Kapitel 5 seines Tourtagebuchs, welches wir euch natürlich nicht vorenthalten möchten - viel Spaß beim lesen!

Die Nacht auf dem Matratzennotlager war dementsprechend durchwachsen. Dennoch konnte ich dank meiner Ohrstöpsel, es waren wieder 2-3 "Sägewerkler" bei der Arbeit, ein paar Stunden schlafen. Ich lasse es ruhig angehen und breche um 9:00 Uhr auf. Vor der Hütte sehe ich gleich einen Wegweiser mit der Aufschrift "St. Martin in Tor", meinem Ziel. Ich folge diesem und komme nach ca. 300 Metern an eine Gabelung. Kein St. Martin mehr. Ich ärgere mich einmal mehr über die italienische Wegweiser(un)logik und fahre sicherheitshalber 300 Meter in die andere Richtung, wo sich ein weiterer Wegweiser befand... auch kein St. Martin. Eine Tafel mit Umgebungsplan gibt auch keinen Aufschluss.

Schließlich verfahre ich nach dem Ausschlussverfahren und nehme instinktiv den mittleren Weg von den dreien am ersten Wegweiser. Diese Prozedur kostete mich schon mal eine halbe Stunde aber siehe da, nach 30 Minuten mittelschwerem Trail taucht plötzlich eine Alm mit einem Wegweiser auf, auf dem "St. Martin in Tor" stand. Nach der Abzweigung bei der Vaciarahütte wird der Weg schmaler, es geht wieder aufwärts und wird, als es wieder abwärts geht, zum "Half-Singletrail". Hier war äußerste Konzentration gefragt, da der Trail Bäche, Geröllfelder und Mulden querte, während es links immer steil bergab ging. Schließlich komme ich wieder an eine Forststraße, was mich nicht weiter störte, denn ich fühlte mich ob des wenigen Schlafes ein wenig "bedudelt".

Ein nettes Pläuschchen mit einer österreichischen Wandergruppe heitert mich wieder etwas auf. Die ca. 10 jährigen Jungs bekamen ganz große Augen als sie mich sahen und fragten: "Fährst du immer downhill?" "Momentan schon" antwortete ich... doch dazu später mehr. In St. Martin angekommen, beschloss ich zum gegenüberliegenden Aussichtspunkt hochzufahren, der "Col di' Ancona" Hütte. Der Anstieg von ca. 500 HM war zwar kernig, aber dank des Asphaltbelags in knapp einer Stunde zu bewältigen. Dort angekommen offenbarte sich ein fantastisches Panorama mit Peitlerkofel (an dem ich an diesem morgen entlanggeradelt war), Rautal und Monte Sella di Sennes. Ich kam mir vor wie in Kanada und die Hütte mit Terasse war auch genauso gebaut... im Blockhütten-Stil. Ich genehmigte mir ein Weißbier zum Essen und verweilte ca. 2 Stunden an diesem herrlichen Ort, denn heute hatte ich keinen Zeitdruck.

Nachdem mich ein freundliches Ehepaar aus Ingolstadt ("wenn man von uns aus nach Italien fährt, muss man zwangsläufig durch Tölz durch") fotografiert hatte, begann wieder der Ernst des Traillebens... und diesmal wortwörtlich, denn ich konnte nicht widerstehen und wollte den "Piz de Plaies" Trail machen... eine komplizierte und höchst anspruchsvolle Downhillbahn die in engen Steilkurven (steil nicht nur seitlich, sondern auch bergab), an deren Ende sich meist Sprungschanzen befanden, 3,6 Kilometer und ca. 600 HM nach St. Vigil hinunterführte. Hier wurde mir klar, was der Begriff "Gravity" bedeutet, denn man muss ständig die Fliehkraft nutzen und darf diese Mörderkurven, die tatsächlich an eine Bobbahn erinnerten, nicht zu zaghaft und im falschen Winkel anfahren... was ich anfangs noch tat bis ich mich einmal dezent auf die Seite legte. Ich erinnerte mich kurz an den österreichischen Wandersjungen vom Vormittag der mich fragte, ob ich immer Downhill fahre... Ich beschloss, das Ding bis unten durchzuziehen und kam auch ohne weiteren Sturz in St. Vigil an. Wieder eine gute Übung dachte ich mir, kaufte im nächsten Supermarkt meine Brotzeit für den nächsten Tag ein und machte mich sogleich an die Quartiersuche. Ich fand eine Pension für 35€ (was übrigens der Standardtarif in der Hauptsaison in dieser Gegend ist) und ließ den Tag bei Pizza und Rotwein ausklingen. Ich war saumüde.

Alexander Stiegler, Gaissach
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